Eine Niederlage für die Grünen? Analyse der Kommunalwahl 2014 in der Uranstadt Pécs


Update: 08.11.2014: Am morgigen Sonntag, den 09. November, findet im Stimmbezirk 8 des Wahlkreises 2 (s. unten unser Bericht, Stichwort: Kohlemine) eine Nachwahl statt. Die Kandidatin des Wahlbündnisses Forum Sopianae[hat nichts mit unserem Blog zu tun]-MSZP-EGYÜTT-PM, Erzsébet Belányi Lajosné, genannt “Zsóka”, die mit 489 nur 44 Stimmen hinter “K”DNP-Mann Dénes Oszoli (533 Stimmen) auf Platz 2 kam, hatte das Ergebnis des 8. Stimmbezirks mit Erfolg beim lokalen angefochten, weil man in einer Wahlkabine eine vorgedruckten Zettel gefunden hatte, in den ein Kreuz für die Kandidatin der ÖPE, die “Romologin” (Minderfheitenforscherin) Dr. Szilvia Lakatos bereits vorgegeben war. Außerdem wurde bei der Auszählung festgestellt, dass nur 288 Stimmen in der Wahlurne lagen, währenddessen doch 289 Stimmberechtigte im Wahllokal erschienen. Dementsprechend entschied das Pécser Tafelgericht auf Neuwahl.


Die Empörung, die Orbáns sogenannte “Internetsteuer” und der Korruptionsverdacht gegen seine Steuereintreiberin Ildikó Vida, Leiterin des Nationalen Steuer- und Zollamtes, in ganz Ungarn auusgelöst haben, lassen es durchaus möglich erscheinen, dass sich ein Teil der bisherigen FIDESZ-“K”DNP-Wählerschaft wie auch Anhänger ihrer ohnehin vom Ergebnis tief entäuschten Verbündeten ÖPE und Dr. Pollák umorientieren, so dass statt des Páva-Mannes eine weitere Frau ins Pécser Stadtparlament einzieht. Der konservative Platzhirsch Oszoli, ein ausgewiesener Verfechter der geplanten Uránmine unter Pécs, hatte im 8. Stimmbezirk trotz der im Vorfeld lancierten Versprechungen auf Wiedereröffnung einer Kohlemine nur 33 Stimmen bekommen, die Frauen hingegen zusammen 153 (Frau Lakatos 97, Frau Belányi 52, die LMP-Kandidatin Horváth Árpádné 4). Das würde freilich, sofern der DK-Kandidat Zoltán Fábján-Nagy nicht öffentlich zur Wahl der Linksbündnisses aufruft, eine Stimmenwanderung wesentlich von der Romologin zu ihrer Konkurrentin “Zsóka” voraussetzen. Leider aber ist es so, dass in Ungarn die Volksgruppe der Roma und Sinti für kleines Geld ihre Seele dem Teufel verkauft …

(Quelle für das Update: http://pecsistop.hu/regio/uj-valasztas-novemberben-pecsett–nem-tud-felallni-a-testulet/1273637/)

Bei prachtvollem Altweibersommerwetter, welches das Land ein wenig für die verregneten Vormonate entschädigte, ging der Kampf um die Rathäuser in Ungarn in der ersten Oktoberhälfte in die Endrunde. In Pécs, der südlichsten Großstadt des Landes, siegte die Apathie: Viele Menschen nutzten das warme Wochenende für Ausflüge und Verwandtenbesuche und blieben dafür am Sonntag, den 12. Oktober, den Wahlurnen fern. Im Ergebnis bedeutete das wieder einen – wenn auch knappen – Sieg für die Órban-Partei FIDESZ-KDNP, während die Grünen in der Stadt einen Sitz abgeben mussten. Im Komitat Baranya, auch in Kővágószőlős, wo der Schachteinsteig für die Uranmine, sowie das geplante Atomendlager Boda liegen, gab es im Ergebnis keine großen Veränderungen: Die grüne Partei “Lehet Más a Politika” konnte hier ihren 2010 in der Komitatsversammlung errungenen Sitz behaupten.

In Pécs, der “Hauptstadt” des Komitats, wurde Orbáns Gefolgsmann Zsolt Páva, der die ehemalige Bergbaustadt durch Annahme teurer Wahlgeschenke aus Budapest in die Abhängigkeit von der Minenunternehmersippe Győző und Viktor Orbán (Dolomit Kft.) geführt hatte, bestätigt. Damit setzte sich der Trend vom Frühjahr, als die Orbánisten bei den Parlamentswahlen vom 06. April erneut eine knappe 2/3-Mehrheit errangen, und der Europawahl am 25. Mai fort. Allerdings mussten die Parteigänger des “miMagyarok”-Führers erhebliche Stimmeneinbußen hinnehmen, woran die Kandidatur eines FIDESZ-nahen, nun mit der Mutterpartei konkurrierenden Vereins namens “Zusammenschluss für Pécs” (Összefogás Pécsért Egyesület, ÖPE) nicht ganz schuldlos war. Deren Vorsitzender János Kővári war von 2010 – April 2014 Fidesz-Abgeordneter sowohl im Budapester Parlament wie auch in der Ratsversammlung Pécs und hob immer brav die Hand, um alles mit abzusegnen, was sein “Führer” und seine FIDESZ-Gefolgschaft sich immer ausdachten, darunter natürlich auch Paks2. Allein bei der Debatte um den russischen Kredit für den Atomkraftwerksneubau soll er einmal unpäßlich gewesen sein(1), beim Bodenverteilungsgesetz eine Änderung favorisiert haben – erste Lockerungsübungen, bevor der (äußerlich) joviale “Janosch” mit seinem Verein im April scheinbar die Nabelschnur von seiner FIDESZ-Nährmutter trennte, allerdings wohl nicht endgültig, denn wo kam es denn her, das Geld für die teuren Wahlkampfauftritte, Hochglanzbroschüren, für jeden der 19 Kandidaten einen Hochglanzflyer, dann allein 4 Saaldisputationen mit “Janoschs” Mitbewerbern um das Amt des Bürgermeisters, alle von einem PR-Agentur live verfilmt und für das Internet aufbereitet, die ÖPE-Autoflottilie mit meterbreiten “ÖPE”-Aufklebern, die neue, eigens für Janoschs Kandidatur kreierte Website, die aufwendige “Poster-Lights”-Werbung(2), wie in der Siklósi út /Ecke Tüskésréti út gesehen, etc., etc.?

Im Ganzen gesehen wandte sich ca. ein Drittel der FIDESZ-Wähler von 2010 anderen Parteien zu, vor allem dem FIDESZ-Klon ÖPE, so z. B. im Wahlkreis 1, wo Kultur-Analphabet Csaba Huba (“Lieblingsfilm: keiner; Lieblingsbuch: keines”) nach 64.82% (2010) auf nur noch 35.69% (2014) kam, im wesentlichen ein Abwanderungsverlust von 29,13% zugunsten der ÖPE, die hier auf Anhieb auf 28,95% kam. Die Frage ist, ob sich die Fidesz das Ergebnis so vorgestellt hat, wenn ihr Kandidat Dénes Oszoli, der 2010 im Wahlkreis 2 noch über 52% der Stimmen auf sich vereinigte, 2014 aber auch dank der ÖPE, die hier 13,55% holte, und des Unabhängigen Juristen Dr. Gábor Pollák (16,69%) nur noch auf 23.53% kam? Oder handelt es sich um ein weiteres Fidesz-U-Boot? Wie unabhängig der 1971 geb. Rechtsanwalt Dr. Pollák ist, geht aus seiner Website hervor: (drpollak.hu, Übersetzung von uns): “Meine beiden Großväter waren Bergleute, davon der auch Sanitäter, und auch mein Vater arbeitete viele Jahre bei der Mecseker Kohlenmine. Meine Mutter war Kassiererin beim ‘Glückauf’-Kino.” Seltsamer Zufall, dass einige Tage vor der Wahl die Wiedereröffnung genau dieser Kohlen-Mine in der Lokalpresse angekündigt wurde.

Erstes Angriffsziel der ÖPE ist aber nicht ihr Mutterschiff – das wäre, als würde der Teufel gegen den Belzebub kämpfen, was schlecht sein kann – sondern die einzige Alternative zu den abgewirtschafteten Parteien, die grüne Partei “Lehet Más a Politika” (LMP). Das wird alleine schon aus der “Brand”-Farbe der ÖPE, einem dunklen Blau

“Ein Herz und eine Seele” – v. rechts: János Kővári (ÖPE) und seine FIDESZ-Freunde Zsolt Páva, Péter Hoppál, Csaba Nagy (PatacsiPilvax.hu)

grün (3) wie auch einigen ihrer Wahlplakate, die ihre Führer in einem weißen Hemd (ohne Jacket) zeigen, deutlich – das weiße Hemd bzw. (bei Frauen) die weiße Bluse sind seit Jahren ein Anti-Korruptionssignal der LMP, deren Wähler mit diesem Verwechslungseffekt verwirrt werden sollen, das aber offensichtlich mit einem ganz anderen Budget als die kleine Ökopartei. Auftrag und Ziel des FIDESZ-U-Boots ÖPE sind eindeutig: Die Grünen in Pécs, dem Zentrum des Widerstandes gegen die Atompläne des Orbán-Clans, aus der Stadtvertretung zu drängen.

Tatsächlich schien die Rechnung aufzugehen: Der grüne Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters, Dr. Lóránt László Keresztes, bekam am Ende nur 7,08% der Wählerstimmen und damit nur einen guten halben Prozentpunkt mehr als 2010 (6.51%). Allerdings betragen die Verluste der LMP unter dem Strich nur 2% der Wähler, die 2010 für die Grünen votierten (2010: 3414; 2014: 3340 Stimmen, Differenz: 74) und das, obwohl die Gesamtbevölkerungszahl von Pécs allein zwischen Januar 2012 und Januar 2014 um 10.220 Personen; sank; 2% wären hier ca. 204 Personen, demnach ist der leichte Verlust der LMP unterproportional zur Bevölkerungsentwicklung.(5) Eine genauere Betrachtung der grünen Ergebnisse nach Wahlbezirken liefert ein überraschendes Ergebnis: Wáhrend im Osten und Nordosten der Stadt die Stimmenanteile für die Grünen niedriger als 2010 ausfallen – eine Ausnahme bildet hier aber der Wahlbezirk 3, der etwa das Gebiet nördlich des Kulturareals „Zsolnay negyed“ umfasst, – verzeichnet die LMP im Süden, im Plattenbau-Wohnviertel „Gartenstadt“ (Kertváros) leichte, im Westen von Pécs aber, wo die Orbán’sche Bergmanns-Sippe mit Hilfe australischer Kollegen eine Uranmine unter den Villen der sie stützenden lokalen Unternehmerschicht durchtreiben will, deutliche Stimmengewinne. Die Spitzenposition teilen sich hier der Wahlkreis 12 des grünen Bürgermeisterkandidaten und (damaligen) Vorsitzendem der LMP im Komitat Baranya, Lóránt László Kéresztes, und Zsolt Szábo, der in dem südlich-östlich angrenzenden Uránváros(4), welches sich mit dem Wahlkreis 10 deckt, kandidierte, dicht gefolgt von der Verlegerin Magdolna Kiss. Die 58jährige Wissenschaftlerin und atomkritische Bloggerin (Sopianae.eu, kissmagdolna.genianet.com) nahm zum ersten Mal an einer Wahl teil und erzielte, obwohl durch eine Infektion gehandicapt und am aktiven Wahlkampf weitgehend verhindert, im Wahlkreis 13 auf Anhieb einen Zugewinn von 44 Stimmen gegenüber 2010. in diesem Wahlkreis, der die Stadtteile: Magyarürög und Donátus im Norden, das von vielen, dem „miMagyarok-“Führer“ Orbán hörigen Unternehmern besiedelte Jakobs-Gebirge (Jakabhegy) und das nördliche Uránvaros mit seinen Plattenbauten bis hin zur Medizinischen Universität im Osten umfasst, ist auch von den Rechts-Parteien FIDESZ-“K“DNP, der Orbán-Tarnpartei ÖPE und den rechtsextremen Bauernfängern der Jobbik als strategisch wichtiger Wahlkreis erkannt worden, denn insbesondere das Villenviertel auf den idyllischen westlichen Mecsek-Hängen soll nach dem Willen der Orbán-Sippe in Zukunft von Urán-Bergstollen unterminiert werden, und zwar nach mehr oder weniger mündlichen Einlassungen des australischen Betreibers WildHorse Energy Ltd. auf diversen Foren im August 2012 vom Dorf Kővágószőlős her in 500-1000 Meter Tiefe. Die Staatspartei FIDESZ warf mit Dóra Tihanyvári, einer jungen Juristin, als Pressereferentin rechte Hand des „schwachhändigen“ (Lóránt L. Keresztes) Oberbürgermeisters Zsolt Páva ins Gefecht(6), Jobbik stellte mit seiner stellvertretenden Kreisvorsitzenden Bernadett Németh ebenfalls eine junge Frau auf, die “Modernes Ungarn-Bewegung” (MOMA) des früheren sozialistischen Finanzministers Lájos Bokros, (gescheiterter) Oberbürgermeisterkandidat der Vereinigten Linken in Budapest, dagegen zauberte mit Mónika Petz ein “fertiges Modell” (“kész fotómodell”), so eine ihrer Facebook-Bekannten, aus dem Hut – nun, den Geschmack derjenigen, die auch an “CarWash”-Werbung Gefallen finden, mag sie wohl treffen, ansonsten dürfte die 20jährige mit 1,97% entsprechend 48 Stimmen nicht einmal ihren eigenen Bekanntenkreis von ihren politischen Qualitäten überzeugt haben, und was die nicht minder attraktive Konkurrentin von der FIDESZ in diesem Wahlkreis betrifft, verhinderte auch deren Nähe zum Chef, die für die Einlösung von Pávas grund- und haltlosen Versprechungen steht, dass genau aus diesem Grunde die Machtpartei an den Mecsek-Hängen mehr als 21% im Vergleich zu 2010 einbüßte, wovon allein rund 12% zum ÖPE-Mitbewerber, übrigens mit Dr. Gábor Fulmer einem Mann, überlief.

Előre!
“Vorwärts!” Unser Vorschlag eines Verdienstwimpels für bewährte FIDESZ-Aktivisten (kimhonfi)

Nein, um Äußerlichkeiten geht es in „Pécs-West“, einem Label, welches die FIDESZ und ihr Christen-Anhängel „K“DNP eilig für den Wahlkampf im Minen-Stadtteil erfunden hatte, wirklich nicht. Es geht vielmehr um die persönlichen Interessen der Minenunternehmer Győző und Viktor Orbán, deren Wahnidee einer Unterminierung eines Teils einer Großstadt bislang wohl eher weniger durch die schwache Opposition, als vielmehr durch die eigenen Kumpels, die Villenbesitzer in Ürög, Donatus und Istenkút, die den Wert ihrer Immobilien dahinschwinden sehen, an ihrer Umsetzung gehindert wurde. Für diese Schicht stellt die ÖPE anscheinend eine salonfähige Alternative dar, um ihrem über alles geliebten Führer und seinen mäßig befähigten Lokalstatthaltern einen Denkzettel zu verpassen.

Die ÖPE dürfte auch der Grund für das Ergebnis der Grünen im nordwestlichsten Pécser Wahlkreis 10 sein. In diesem Stadtteil, im wesentlichen identisch mit Istenkút und Donatus-Nord, enstand im Mai-Juni 2012 die sogenannten „neMecsek Bewegung“ aus Mitgliedern des Bürgervereins Istenkút, die 2007ff teils auch als Mitglieder der „Zivilbewegung für den Mecsek“ (Civilek Mecsekért Mozgalom) gegen die Etablierung einer Radarstation des damals sozialistisch geführten Honvéd auf dem Tubes gekämpft hatte, die schließlich mit Unterstützung der lokalen FIDESZ, deren Vorturner Páva zu diesem Zweck für einige Tage im Wald kampierte, Erfolg hatte. Um die neMecsek Bewegung, die ihre, teils in der FIDESZ liegenden Wurzeln nie ganz verleugnen konnte, war es nach einem kurzen Strohfeuer im Juni-Juli 2012, als sich schnell herausstellte, dass die Feudalherren vom Donátus nicht mit den anarchoid anmutenden Künstlern und Sozialarbeitern aus Istenkút koalieren wollten, schnell wieder still geworden. Als ihr letzter öffentlicher Auftritt am 17. Februar dieses Jahres im Beiprogramm der „Schlacht vom Zengő“ von dem auf den stillen Wipfel angereisten, ehemaligen Staatspräsidenten László Sólyom und der lokalen Presse boykottiert wurde, enthielt sich die Truppe um den NM-Sprecher Péter Peták während der Frühjahrswahlen jeder öffentlichen Betätigung. Warum das so war, stellte sich spätestens mit der öffentlich verkündeten ÖPE-Kandidatur im Mai heraus: „Jánosch“ Kővári war es gelingen, die Reste der CMM um deren ehemalige Sprecherin Csilla Vincze und in ihrem Fahrwasser auch einige Ex-Aktivisten von neMecsek, deren nachbarschaftliche Fäden im Istenkúter Tal nie abgerissen waren, für eine Kandidatur auf der Liste der FIDESZ-Ableger zu gewinnen – darunter die Gastronomin Edina Balogh, die 2010 noch als Mitglied des Landesausschusses der LMP im Wahlkreis 15, Gartenstadt, auf Anhieb 6,92% für die Grünen (147 Stimmen) geholt hatte. 2014 sah man sie mit anderen Nachbarn wie Ex-neMecsek-Mitglied Éva „Bubu“ Knyihár im Éger-Tal, Istenkút und Alt-Ürög (teils im Wahlkreis 10, teils in 13) Empfehlungen für ihren neuen Vorsitzenden „Jánosch“ sammeln. Selbst trat die Ex-Grüne im Wahlkreis 14, Neu-Patacs, Patacs und Nieder-Ürög, gegen ihren ehemaligen Parteifreund Lóránt L. Keresztes an, dem sie mit 6,48%, also fast gleicher Stimmenzahl wie 2010 im Plattenbauviertel, aber nicht mehr, deutlich unterlag. Einer der ausschlaggebenden Gründe für das magere Ergebnis der Ex-Grünen dürfte weniger in der mangelnden Glaubwürdigkeit ihres neuen Vorsitzenden und Listenführers Kővári und seine Verquicklung mit der „Führer“-Partei gewesen sein, sondern auch in unreifen Forderungen wie nach einer Volksabstimmung über den Bau der projektierten Uranmine.

Mit dem Auftritt der grünblauen ÖPE und des, teils ebenfalls aus einer Abspaltung um die Ex-LMPler Benedek Jávor, Timea Szabó, Rebeka Szabó und anderen hervorgegangenen PM (Párbeszéd Magyarországért, deutsch: Dialog für Ungarn) im Rahmen des Linksbündnisses MSZP-Együtt-PM unter Führung der Pécser Ärztin Ágnes Cserfai geb. Kovács wurde im Laufe des Frühjahrs und Sommers 2014 immer klarer, dass sich die LMP im Herbstwahlkampf in einer klassischen Sandwich-Situation, eingeklemmt zwischen verheißungsvollen linken Ex-Grünen und einer pseudogrünen FIDESZ-Mutation wiederfinden würde. Genau diese fatale Lage spiegelt das Stimmergebnis, welches Lóránt L. Keresztes als grüner Bürgermeisterkandidat erzielte, wieder, desgleichen auch in 9 von 19 Wahlkreisen der Stadt, in denen die LMP einige Stimmen verlor.

Dagegen stehen auf der Habenseite im Saldo die 10 Wahlkreise, in denen „Lehet Más a Politika“ Pécs Stimmen hinzugewann, darunter Keresztes eigener Wahlbezirk. Vor allem die westlichen Wahlkreise (mit Ausnahme von Wk 10), wo der Uránbergbau das immer noch virulente Thema ist und wo die uran- und atomkritischen Webportale PatacsiPilvax.hu und Sopianae.eu ihren Sitz und ihre Stammleserschaft haben, sowie die teils hervorragenden Werte, die die Grünen in der Agglomeration für ihre Komitatsliste erzielten, zeigen die Richtung, die die Grünen in der Baranya in Zukunft nehmen müssen: Die Schärfung ihres Profils als Programmpartei im Umweltbereich, als verlässliche Kraft in der Anti-Atom-Bewegung, als konsequente Streiter für Arbeitsplätze in den Wirtschaftszweigen Solar- und erneuerbare Energie (womit freilich nicht, wie die lokalen Orbánisten den Begriff umdeuten, das Abholzen von Bäumen für ein sogenannten „Bio“massekraftwerk gemeint ist) sowie wie in der von der Orbán-Familie gehassten Elektronik- und Kommunikationsindustrie, die  für die Orbánisten der Inbegriff amerikanischen Einflusses und Agentenunwesens, dem nur mit Strafsteuern auf den Traffic-Verbrauch und Disziplinierung der MATÁV und ihrer Ableger wie gehabt im Falle der Sáling-Origo-Affäre beizukommen ist. Ein weiterer, wichtiger Programmbaustein gerade in der Baranya und Pécs ist der Kampf gegen die hier blühende Korruption und Vetternwirtschaft der Staatspartei, die in einigen Branchen inzwischen mafiose Züge angenommen hat. Jedoch müsste die alternative Programmatik der Grünen einerseits stärker in die Dörfer und dann auch in die Schichten der politikfernen Nichtwähler getragen werden. In den mehrheitlich immer noch nicht von ihrem geliebten Führer geheilten Stadtteilen Patacs, Ürög, Dónatus und Jakabhegy und auch Mecsekoldal wird ein guter Schuss Urán im Trink- und Brunnenwasser am Ende die Heilung bewirken. Für die ÖPE steht mit zwei Sitzen im Stadtparlament aufgrund des in der Wahlrechtsreform verankerten Prinzips “The Winner takes it all”, das ihr Abgeordneter János Kővári selbst mit zu verantworten hat, nach einem kostspieligen Wahlkampf und dem Abgang ihres Ehrenvorsitzenden, des bekannten Medizin-Professors Miklós Kellermayer, als eigentlicher Verlierer und Opfer der Páva-Rochaden dar. Er mag ein “Old Schwachhand” sein, ist aber immer noch ein alter Fuchs, der mit Tricks und Machinationen sein Ziel erreicht, diesmal gegen “Freund Jánosch”, dessen grünblauer Verein nach dem Verlust des Parlamentsmandates aufgrund ebenderselben, von ihm mit zu verantwortenden Wahlreform als lokale Splitterpartei dasteht, anders als die Grünen, die sich auf ein ausgedehntes, internationales Netzwerk stützen können. Der ÖPE ist zu empfehlen, sich als Sonderverein aufzulösen und sich wieder als grünlich schillernde Spielart ihrer Mutterpartei mit selbiger, der sie entsprossen ist, wiederzuvereinigen.

Tabelle 1: Kommunalwahl 2014: Ergebnisse der LMP-Kandidaten
(fett = Kandidat erzielt Stimmengewinn gegenüber 2010)

vk

Name/név 2014

St.

Anteil

Name 2010

St.

Anteil

+/-

vk 1

Pej Dániel László

53

3.4 %

Krasz Péter

64

4,43%

-11

vk 2

Horváth Árpádné

58

2.56 %

Szuhánszki János

98

5,64%

-40

vk 3

Balog Tamás

191

7.28 %

Ignácz Mária

142

6,38%

+49

vk 4

Hartweg Ildikó Anna

193

8.19 %

Péter Balázs

216

8,39%

-23

vk 5

Dr. Kóbor József

202

9.76 %

Krasz Ádám

192

8,71%

+10

vk 6

Dr. Füredi Péter Tamás

249

10.55 %

Dr. Kóbor József

303

11,55%

-54

vk 7

Lekszné Tóth Julianna Magdolna

216

10.87 %

Frick Orsolya

209

8,58%

+7

vk 8

Bocz Csaba

184

8.18 %

Filák Péter

224

8,99%

-40

vk 9

Szilágyi Áron András

231

10.49 %

Szilágyi Áron András

271

11,16%

-40

vk 10

Nádori János Csaba

194

8.05 %

Dr. Kelemen Ottó Sándor

224

9,30%

-30

vk 11

Szabó Zsolt

234

8.88 %

Jakab Tamás József

183

7,67%

+51

vk 12

Dr. Keresztes László Lóránt

331

14.4 %

Dr. Keresztes László Lóránt

280

12,62

+51

vk 13

Dr. Kiss Mária Magdolna

221

9.08 %

Óvári Csaba

177

9,09

+44

vk 14

Sólyom Imre

176

8.58 %

Bocz Csaba

151

6,6

+25

vk 15

Rauert Matthias Heinrich

121

5.78 %

Balogh Edina LMP

147

6.92%

-26

vk 16

Beregi Oszkár Gábor

150

7.25 %

   

+150

vk 17

Óvári Csaba

151

7.68 %

Gyenese Andrea

141

8,9%

+10

vk 18

Czapári Dóra

185

9.46 %

Nagy Ferenc

151

8,36%

+34

vk 19

   

Baracska Péter Róbert

241

11,21%

-241

Quelle: KSH, valasztas.hu

Tabelle 2: Stimmergebnisse für die Komitatsliste 2014 der LMP in der Agglomeration von Pécs

Ortschaft

Stimmen

Gesamt

Anteil

Abaliget

31

349

8,88%

Bogád

36

308

11,60%

Bogád

36

308

11,60%

Cserkút

43

298

14,40%

Gyód

19

223

8,50%

Keszü

59

538

11%

Kozármisleny

244

2096

11,60%

Kökény

33

342

9,60%

Kővágószőlős

47

517

9,10%

Mánfa

40

368

10,80%

Nagykozár

82

773

10,60%

Orfű

69

484

14,20%

Pellérd

106

913

11,60%

Pogány

49

350

14%

Romonya

28

180

15,50%

Quelle: KSH, valasztas.hu

(1) Vgl. Greenfo.hu, wo es heißt. “… egyedül Kővári János sunnyogta el a szavazást” = allein J. K. versteckte seine Stimme = enthielt sich, http://www.greenfo.hu/hirek/2014/05/08/pecs-ertekvesztesei.

(2) Zu dieser hypermodernen Form der Leuchtreklame vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/City-Light-Poster: “Poster Lights sind hinterleuchtete Plakatwechsler im Plakat-Standardformat mit 16- oder 24-Bogen-Größe. An besonders attraktiven Werbestandorten werden hier auch häufig drei verschiedene Plakatmotive durch Rotation abwechselnd gezeigt. Durch die Drehbewegung wird die Aufmerksamkeit des Kunden noch stärker auf die Werbebotschaft gelenkt.”

(3) #03695b = ein dunkler Farbton von Cyan, vgl. http://encycolorpedia.de/03695b

(4) Quelle: http://www.pecsistop.hu/regio/uj-ksh-adatok-tobb-mint-tizezer-lakossal-fogyott-ket-ev-alatt-pecs/1260527, nach Angaben des Zentralen Statistischen Amtes (KSH). Pécs leidet besonders unter der Abwanderung in “den Westen”. So sank die Bevölkerung der Komitatshauptstadt von 156 974 (1/2010) auf 146 581 (1/2014) Personen. Einer der Hauptgründe ist die Deindustrialisierung (allein der Konkurs von Elcoteq im Juli 2011 vernichtete 1.500 Arbeitsplätze). Hauptzielländer der Emigration sind neben der EU vor allem die Schweiz und Kanada.

(5) Uránváros, deutsch: “Uranstadt“, ein Viertel, welches ab 1959 für die Beschäftigen in der Uranmine gebaut wurde, ca. 20.000 Einwohner. Das südliche Uránvaros, südlich der Hajnóczi Str., umfasst freilich auch wegen der vielen, an Studenten vermieteten oder schlicht leer stehenden Wohnungen, nur 7.494 Wahlberechtigte, von denen freilich nur 2743 = 36,6% an den Wahlurnen erschienen.

(6) Frauen haben bekanntlich in der von einem archaischen, morgenländisch-patriarchal geprägtem Familienbild der FIDESZ-“K”DNP nichts zu sagen, ihr Platz ist der Herd, ein Mandat im Dorf oder der Stadtversammlung oder auch als “Sprecherin” ihres Führers in dienender Funktion schon das höchste politische Amt; zum sog. “Frauenwahlkampf” der Fidesz in Pécs, dessen Grund und Ursache doch wohl eher die konkurrierenden Parteien sind, vgl. das FIDESZ-nahe Portal pecsma.hu, http://www.pecsma.hu/pecs-aktual/igy-indul-a-fidesz-osszel-pecsen. Ein Wunder, dass die orbánistischem Frauen überhaupt Auto fahren dürfen.

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