Ein Kommentar von Dana Guth

Ich schreibe hier meine persönlichen Eindrücke und Gedanken. Diese sollen nicht für „die Deutschen“ in Ungarn genommen werden.
Die Wahl ist vorbei, Wahlkampfgetöse beendet, einer hat gewonnen, einer hat verloren. Die Ungarn haben entschieden. Es ist ihr Land, ihr Recht, ihre Wahl und diese haben wir zu respektieren. Aber nun schlägt die große Stunde der Deutschen. Vom Oberlehrer bis zum Kriecher und einer breiten verunsicherten Mitte sind alle am Start. Fakt ist, dass die Politik von Viktor Orbán für viele (nicht für alle) das Zünglein an der Waage – neben der schönen Landschaft und der ungarischen Mentalität – war. Niemand hat die Sehnsucht der Leute nach Sicherheit, Regeln, Tradition und Kultur so verkörpert wie er. Der Fels in der Brandung, der ohne Angst dem mächtigen Brüssel die Stirn bot, um für die Interessen seiner Heimat einzutreten. Balsam für die deutsche Seele. Und nun ist er weg. Und (nicht nur) die Facebookblase ist in heller Aufregung.
Die „Oberlehrer“ werden nicht müde dem Ungarn zu erklären, wie dumm er ist und das spätestens ab morgen messernde Horden die halbe Bevölkerung abschlachten und Moscheen wie Pilze aus dem Boden schießen.
Die „Verunsicherten“ werden nicht müde sich und andere zu beruhigen, in dem sie mantraartig erklären, dass alles schon nicht so schlimm wird.
Die „Enttäuschten“ packen virtuell die Koffer, weil man mit den „doofen Ungarn“ jetzt auch nichts mehr zu tun haben will.
Die „Traurigen“ weinen in ihre Kissen.
Die „Kriecher“ erklären allen, dass sie als Gäste gefälligst den Mund zu halten haben und wissen vor lauter Musterschülerverhalten wieder nicht, wohin mit sich.
Und die „breite Mitte“ schweigt, grübelt und wartet ab.
Die Ungarn haben gewählt. Und sie werden ihre Gründe haben. Ob sie sich mit dieser Entscheidung einen Gefallen getan haben, wird sich zeigen. Die Deutschen, die hier leben, sind auch Teil dieses Landes. Und nein, ich sehe sie nicht als „Gäste“. Ein Gast kommt zu Besuch und geht dann wieder. Sie sind Mitbewohner, ohne das Recht mitzuentscheiden, wohl aber in der Situation, die Folgen der Wahl mitzumachen. Natürlich ist die Wahl der Einheimischen zu akzeptieren. Eine Meinung, die ohne Beleidigungen und Anschuldigungen auskommt, sei trotzdem jedem gestattet. Ich glaube, das jetzt ein guter Zeitpunkt ist durchzuatmen. Schauen wir, was die neue Regierung bringt. Bei aller Skepsis (die ich durchaus teile) muss man die nächsten Schritte abwarten. Die Frage die sich jeder stellen sollte, ist recht einfach. Wollte man nach Ungarn wegen Ungarn oder wegen Viktor Orbán? Letztere werden über kurz oder lang weiterziehen oder frustriert zurück nach Deutschland gehen. Alle anderen werden sich arrangieren. Sollte Peter Magyar sich als „brüsselhörig“ bestätigen werden viele ihre Wahl bereuen, aber wer sind wir Deutschen, die wir unser eigenes Land konsequent mehrheitlich seit 20 Jahren in den Ruin gewählt haben, dann hämisch mit den Fingern auf die Ungarn zu zeigen? Sollte Peter Magyar sich tatsächlich – gemäß seiner Wahlversprechen – in vielen Bereichen an der konservativen Politik von Viktor Orbán orientieren, wird sich vermutlich nicht vieles verschlechtern.
Ich wünsche allen etwas mehr Gelassenheit. Eine Wahl ist nicht das Ende der Welt. Jeder hat das Recht für sein Leben zu entscheiden. Hoffen wir, dass die ungarischen Wähler die richtige Wahl getroffen haben.
