Orbán wiedergewählt – kalte Dusche für die Opposition

Orbán selfizik
Orbán mit Fan im Wahlkampf 2018. Kommentar eines Facebook-Nutzers: “Wer ist der Onkel neben dem umwerfenden Kätzchen?”

Heute Nachmittag wurde der Sieger der ungarischen Parlamentswahl vom 08. April, Viktor Orbán, erneut zum Ministerpräsidenten gewählt und anschließend auf seine vierte Amtszeit vereidigt. Der Führer der Fidesz hatte dieses Amt bereits von 1998-2002 und seit April 2010 inne. Er regiert mit Hilfe des kleineren Koalitionspartners, der Christdemokratischen Volkspartei (KDNP), wie schon 2010 mit einer soliden Zweidrittelmehrheit. Am 22. Februar 2015 hatte seine Regierungskoalition infolge einer Nachwahl im Wahlkreis Veszprém ein Mandat an den unabhängigen Zoltán Kész und damit die Fähigkeit, die Verfassung gegebenfalls erneut auf seine Person zuzuschneiden, vorübergehend eingebüßt.

Die Rede des alten neuen Premiers zu seinem Amtsantritt bestand überwiegend aus den üblichen Textbausteinen seiner Freitagsgebete.

Die Antwort der Ungarn auf die veränderte Welt laute:

Anstatt an der gescheiterten liberalen Demokratie herumzubasteln, haben wir die christliche Demokratie des 21. Jahrhunderts aufgebaut, die die Würde, Freiheit und Sicherheit des Menschen garantiert, die Gleichheit von Mann und Frau schützt sowie das traditionelle Familienmodell, den Antisemitismus bremst, unsere christliche Kultur verteidigt und uns die Chance gewährt, zu überleben und unsere Nation zu bereichern.

Man muss schon fast die Qualitäten eines Hofastrologen entwickeln, um aus der Rede des gemeinsamen Feindes der proislamischen EU etwas Neues herauszulesen. Die folgenden Sätze dürften Avancen an die Adresse der türkisblauen Partner in Österreich, Kurz und Strache, sein:

„Ich möchte die Nachbarländer davon überzeugen, dass wir im Karpatenbecken eine der sichersten, am schnellsten wachsenden, einheitlichen Wirtschafts-, Handels- und Transportzone Europas erbauen.“

Die Opposition war dem Amtseinführungzeremoniell mit Ausnahme der Jobbik ferngeblieben. Die Linken hatten auch nach der Wahl noch eine Reihe Niederlagen einstecken müssen. Erst am Dienstag hatte sich linksliberale Sympathisanten zum Gespött der Welt gemacht, als sie drei reformierte Geistliche, die der Einladung von Orbáns Parlamentspräsident Kövér, im Hohen Haus eine kurze Andacht zu halten, nachgekommen waren, auf dem Weg in die Heiligen Hallen angriffen und bespuckten.

Die Strafe des erzürnten Höchsten ließ nicht lange auf sich warten. Wärend sich draußen die Demonstranten damit abmühten, dass Parlament mit einem Gewebeband in den Farben der ungarischen Trikolore „einzukreisen“, zogen bereits Gewitterwolken auf. Eine halbe Stunde später brachte ein Wolkenbruch die atheistische Menge zur Vernunft. Die meisten, auch die Presseteams, wurden nass bis auf die Knochen.

Gott lässt sich eben nicht spotten. Nun hat Ungarn wenigstens frisch gewaschene Linke:

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